DRK-Schul- und Therapiezentrum

Bereits in den 60er Jahren haben die Planungen des DRK-Landesverbandes, ein Kurheim für anfallskranke Kinder und Jugendliche und ein Kurheim für körperbehinderte Jugendliche zu schaffen, begonnen. Tatkräftig unterstützt wurde das Vorhaben von der Kieler Universitätskinderklinik und der Landesregierung.

Im Kurheim für anfallskranke Kinder und Jugendliche sollte deren Schulfähigkeit wiedererlangt und damit deren Eingliederung in den Arbeitsprozess erreicht werden. Das Kurheim konnte nach kurzer Bauphase am 15. November 1972 eröffnet werde. Es diente als Internat für schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die die staatliche Schule für Körperbehinderte besuchen. Schwer körperbehinderte Jugendliche zwischen zwei klinischen Behandlungsabschnitten und junge Erwachsene mit schweren körperlichen Behinderungen sollten dort zudem gepflegt werden.

Am 7. Juli 1971 erfolgte in Anwesenheit des damaligen Sozialministers und späteren Präsidenten des DRK-Landesverbandes, Karl Eduard Claussen, und zahlreicher Gäste aus dem öffentlichen Leben die Grundsteinlegung für beide Einrichtungen an der Stadtgrenze von Kiel.

Mit der Zusammenfassung beider Einrichtungen aus wirtschaftlichen Gründen und der Schaffung eines gemeinsamen Wirtschafts- und Verwaltungsbereiches wurde damals Neuland betreten. Darüber hinaus wurde von Anfang an eine enge multidisziplinäre Zusammenarbeit zum Wohle der Betroffenen und Angehörigen praktiziert, an denen außer den oben erwähnten Initiatoren des Projektes auch die Ostholsteiner Behindertenhilfe gGmbH sowie zahlreiche Vereine und Institutionen der Behindertenhilfe beteiligt waren und es bis heute noch sind.

Am 21. August 1973 haben Schule und Internat den Betrieb aufgenommen.
1976 dann die erste Erweiterung: Zehn neue Klassenräume und drei Gruppenräume konnten eingerichtet werden. Im August 1983 ist der Erweiterungsbau als zusätzlicher Wohnbereich in Betrieb genommen worden. Im selben Jahr wird der erste Realschüler aufgenommen.

Am 8. Februar 1994 erfolgte die Grundsteinlegung für das Christof-Husen-Haus (Woher der Name?) mit zwölf Wohneinheiten für schwerstkörperbehinderte junge Erwachsene mit angeschlossener EDV-Werkstatt der Ostholsteiner Behindertenhilfe. Für jeden Bewohner wird bis heute ein individuell angepasster Arbeitsplatz eingerichtet. Dieses Jahr sind sechs neue Wohnplätze hinzugekommen. Nur dank der erheblichen Unterstützung der Christof-Husen-Stifung erfolgten die Grundsteinlegung für das Christof-Husen-Haus und die Erweiterung, für die auch Mittel des Deutschen Hilfswerks verwendet werden konnten. Die Alternative zum Leben im Christof-Husen-Haus wäre die Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim.

Heute ist das DRK-Schul- und Therapiezentrum die größte Einrichtung ihrer Art in Schleswig-Holstein. Sie dient der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in das gemeinschaftliche Leben. Die staatliche Internatsschule für Körperbehinderte gliedert sich in die Bildungsgänge Realschule, Grund- und Hauptschule, Förderschule und Schule für Geistigbehinderte. Sie ist als Ganztagsschule sowie als überregionales Förderzentrum anerkannt und beschult derzeit 89 Schülerinnen und Schüler, von denen 61 im angeschlossenen Internat wohnen. Seit August setzen zwei Schüler ihre schulische Laufbahn am Fachgymnasium in Preetz fort.

Das Betreuungsangebot (Grund- und Behandlungspflege, sozialpädagogische und therapeutische Angebote) erstreckt sich über 24 Stunden während des gesamten Jahres.

Am 11. Juni 1984 wurde das Kurheim für anfallskranke Kinder in Norddeutsches Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche umbenannt und hat seitdem weit über die Landesgrenzen hinaus einen festen Platz in der langfristigen Behandlung epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher. Die Klinik ist gemäß DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert.

Sie hat als eines der ersten Epilepsiezentren Deutschlands 2005 das DRG-System für die stationäre Epilepsie-Behandlung eingeführt. Die sehr enge personelle und sachliche Verzahnung mit der Universitätskinderklinik bietet eine universitäre Leistungserbringung und ein sehr breites Leistungsspektrum in Bezug auf die Epilepsiebehandlung. Wissenschaftliche Projekte werden zur Weiterentwicklung des speziellen Krankheitsverständnisses und der Optimierung von Behandlungsformen genutzt. Sie fördern darüber hinaus die Bekanntheit und den Ruf der Klinik.

Trotz ständiger Weiterentwicklung der pädagogischen, pflegerischen und therapeutischen Angebote, ständiger Kooperation und Erfahrungsaustausch mit anderen Einrichtungen der Behindertenhilfe, eines umfangreichen Angebots an internen und externen Seminaren und Veranstaltungen ist die enge Verzahnung der einzelnen Arbeitsbereiche heute gefährdeter denn je. Die Verlagerung der so genannten Eingliederungshilfe vom Land auf die Kreise und kreisfreien Städte und damit aus einer Hand in viele Hände und Zuständigkeiten sowie nunmehr verschiedenen Kostenträger mit gänzlich unterschiedlichen Interessen lässt befürchten, dass nicht immer die Förderung und die Interessen der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen, sondern allein die finanzielle Situation der jeweiligen Kostenträger.

Dennoch werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Zukunft die geistigen, seelischen und körperlichen Fähigkeiten der behinderten Kinder und Jugendlichen so fördern, dass für sie ein erfülltes und selbst bestimmtes Leben in der Gesellschaft möglich wird. Im Betreuungsbereich für die jungen Erwachsenen steht der behinderte Mensch als Individuum im Vordergrund der Hilfestellung. Pflege- und Versorgungsangebote richten sich immer nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner.