Für mich war das Altenheim keine Alternative

Interview mit Oliver Baak, geführt am 26.02.2010

Oliver Baak wurde am 03.12.1987 in Buchholz/Nordheide geboren.  Er kam mit erheblichen Körperbehinderungen zur Welt und ist seit langer Zeit auf einen Elektrorollstuhl angewiesen.

1995 wurde er im Landkreis Harburg eingeschult, hatte dort jedoch viele Klassenkamaraden mit geistigen Behinderungen, sodass er den Unterricht als wenig anspruchsvoll empfand. Für den Besuch der Sekundarstufe I wurde also eine neue Lösung gesucht.

Im Jahr 2000 kam Oliver nach Bad Pyrmont in ein Internat für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Körperbehinderungen, die gemeinsam mit nicht behinderten Schülern in Pyrmonter Regelschulen unterrichtet werden. Er besuchte dort das Gymnasium.

2006 - Oliver besuchte jetzt die 10. Klasse - erkrankte er während eines Besuchs in Schleswig-Holstein an einer schweren Lungenentzündung, die über viele Wochen stationär im Universitätsklinikum behandelt werden musste. In deren Folge muss Oliver dauerbeatmet werden. Ein Schulanschluss in Bad Pyrmont war für Oliver nicht mehr gegeben.

Versorgungstechnisch plante man für ihn die Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim. Über die Kieler Klinik wurde dann ein Ausweg gesucht und der Kontakt mit dem DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf hergestellt.

Nach der obligaten Diagnose-  und Beratungswoche war klar, dass Oliver mit Beginn des Schuljahres 2006/2007 die 10. Realschulklasse im Landesföderzentrum besuchen und ins Schülerheim ziehen würde. Diese Klasse und die Realschuleabschlussprüfung im Sommer 2007 absolvierte Oliver problemlos. In der Rückschau erscheint Oliver aber gerade die individuelle Unterstützung und Rücksichtnahme, die das DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf jedem einzelnen Schüler gewähren kann und somit auch ihm zuteil wurde, als notwendige Voraussetzung, um nach langer stationären Behandlung wieder Anschluss an den Schulbetrieb zu bekommen. Mit seinem Notendurchschnitt in der Realschulprüfung konnte sich Oliver 2007 problemlos um Aufnahme in den Wirtschaftszweig des Fachgymnasiums Preetz bewerben, wo er jetzt auf das Abitur zusteuert. Er ist weiterhin Bewohner des Internats im Schul- und Therapiezentrum Raisdorf und wird vom DRK-Fahrdienst an jedem Schultag mit einem Betreuer nach Preetz und wieder zurück gebracht.

Wie sieht der ganz normale Alltag von Oliver Baak aus?

An einem Schultag klingelt mein Wecker um 6.30 Uhr und um 7.05 Uhr muss ich mit meinem Wasch- und Frühstücksprogramm durch sein, denn dann startet mein Shuttle nach Preetz. Manchmal geht es aber auch später los, das hängt vom Stundenplan ab. Ich habe 31 Stunden Unterricht in der Woche. Nach Schulschluss geht es zurück nach Raisdorf. Dort stärke ich mich erst einmal und mache hinterher Hausaufgaben. Manchmal schiebe ich noch einen kleinen Erholungsschlsf dazwischen. Die Atem- Physio- und Ergotherapeuten wollen natürlich am Nachmittag auch noch etwas vonn mir haben und ich bekomme auch regelmäßig Besuch von meinen Ärzten.

Und abends gibt es das ganz normale Entspannungsprogramm: Fernsehen, Musik hören, Internet und Romane von Stephen King. Wir sind 4 Leute in unserer Wohngruppe und in unserem Gemeinschaftsraum ist immer etwas los.

Und was ist am Wochenende los?

Ich gehe gern auf Partys, ins Kino oder auch zu Sportveranstaltungen. Meine Betreuer begleiten mich dann. Das klappt eigentlich immer, ich muss es nur rechtzeitig anmelden. Letztens hatte ich Karten für ein HSV-Spiel und mein Betreuer und ich hatten richtig viel Platz im Areal auf der Südtribüne des Stations. Manchmal lade ich mir auch ein paar Leute zu mir nach Raisdorf ein. Platz und Unterstützung dafür gibt es genug. Alle 2 bis 3 Wochen fahre ich am Wochenende nach Hause. Und eines gönne ich mir jedes Wochenende: Ausschlafen!

Wie sehen Deine Zukunftpläne aus

Ich lebe gern im DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf, aber wenn ich jetzt mit der Schule fertig bin, wünsche ich mir schon eine eigene Wohnung. Vielleicht ergibt sich auch hier so etwas. Meine berufliche Perspektive sehe ich entweder im IT-Bereich oder in der sozialen Beratungstätigkeit. Dafür würde ich gern Sozialpädagogik studieren.

Hast Du Vorlieben und Vorbilder

Ich bin sehr interessiert an Chemie, spiele gern Poker und finde Stephen Hawking großartig!

Was ist das Beste, das Dir bisher passiert ist?

Ich konnte im vergangenen Jahr eine Klassenfahrt nach England mitmachen, weil mich drei Betreuer begleitet haben. Das war super!

 

Gibt es ein Motto für Dich?

Bloß nicht aufgeben!
Und immer authentisch bleiben!


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