Mein Entschluss war goldrichtig!
Interview mit Kerstin Fock, geführt am 09.03.2010
Kerstin Fock kam am 27.09.1990 in Hamburg zur Welt. Sie ist schwer körperbehindert und eine selbstbewusste Rollstuhlfahrerin.
Kerstin wuchs in Kaltenkirchen auf und wurde 1996 in eine Integrationsklasse der dortigen Grundschule eingeschult. Sie beendete die 4. Klasse in Kaltenkirchen und kämpfte sich dort auch mit sehr viel Engagement durch den Lernstoff der Orientierungsstufe.
Aber die nächsten Klassenstufen waren eine harte Herausforderung für Kerstin: Sie musste mit Ihrer Rolle als einzige Schülerin mit Behinderung und dem umfangreichen Schulprogramm fertig werden und fühlte sich überfordert. Eine Bekannte, die im DRK-Schul- und Therapiezentrum arbeitet, sah Kerstins Misere und empfahl einen Wechsel in das dortige Internat.
Nach der Diagnose- und Beratungswoche stand für alle Beteiligten fest: Kerstin wechselt ins Landesförderzentrum körperliche und motorische Entwicklung Schwentinental und zieht in das Internat unter gleichem Dach. Das war eine mutige Entscheidung, die Kerstin mit Bravour gemeistert hat.
Sie besucht derzeit die 9. Förderschulklasse. und steuert auf Ihren Abschluss zu. Vielleicht gelingt ihr im Anschluss daran auch die Hauptschulprüfung. Aber das Wichtigste ist, dass Kerstin Freude an Ihrer Lebenssituation und der Schule hat. Sich beweisen zu können, dass sie etwas allein kann und schafft, auch wenn sie körperliche Behinderungen hat, ist für Kerstin Motto und Ansporn mit oberste Priorität. Und die Hilfe, die sie dabei von allen Betreuern, Lehrern und Therapeuten im DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf erhält, erleichtert ihr diesen Weg.
Kerstin, wie viele Schüler gibt es in Ihrer Klasse hier in Raisdorf?
Wir sind acht Schüler und davon vier Rollifahrer. Das ist eine überschaubare Gruppe, in der ich mich sehr wohl fühle.
Und wie viele Lehrer unterrichten in dieser Klasse?
Unsere Klasse hat fünf Lehrer: Meine Klassenlehrerin gibt bei uns Deutsch, Musik, Computerunterricht und Sport. Dann haben wir einen Lehrer für Mathematik, einen für Englisch und einen für Geschichte, Physik/Chemie und Wirtschaft/Politik. Darüber hinaus gibt es noch einen "Spezialtrainer" für Rechtschreibung und Grammatik. Insgesamt stehen 28 Stunden auf dem Stundenplan.
<und wenn der Schultag zu Ende ist ...?
Mittags essen wir zusammen in der Wohngruppe. Anschließend mache ich mich erst einmal frisch und anschließend Hausaufgsben. Meine Therapien, ich bekomme Physio-, Ergo- und Logotherapie, finden sowohl am Vormittag wie auch am Nachhmittag statt. Das entspannt den Tag! In der Freizeit fahre ich gern in den Ostseepark Raisdorf, um im dortigen Einkaufszentrum zu shoppen und zu bummeln. Abends höre ich etwas Musik oder besuche meine Klassenkameraden in den anderen Wohngruppen. Wir organisieren mit unseren Betreuern auch oft Feste, im Sommer Grillen wir draußen besonders schön. Und am Wochenende und in den Ferien fahre ich natürlich nach Hause, nach Kaltenkirchen.
Was mögen Sie besonders gern?
Also beim Essen stehe ich auf Schweinemedaillons mit Kartoffelgratin, vorzugsweise in meiner Lieblingskneipe, der "Traumfabrik" in Kiel. Und ich bin ein bekennender Show- und Musik-Fan: Ich gucke gern DSDS und mag die Musik von No Angels, Robbie Williams und Culcha Candella. In sportlicher Hinsicht finde ich daa Schwimmen besonders gut. Ich gucke mir solche Wettkämpfe gern im Fernsehen an und schwimme auch regelmäßig selbst in unserer Schwimmhalle.
Was war das Beste, das Ihnen bisher passiert ist?
Mein Entschluss für Raisdorf war gut und goldrichtig! Ich habe hier tolle Betreuer, Lehrer und Therapeuten, mit denen ich gelernt habe, mir vieles allein zuzutrauen und zu schaffen. Wir sind ein tolles Team!











